Wunder
Vorsichtig streiche ich über die weißen Perlen des neuen Armbands,
eine Perle neben der anderen sind sie aufgereiht, den Abschluss ziert ein goldener Schmetterling.
Meine Gedanken schweifen. Eine Reihe von Perlen, wie eine Reihe von Wundern - eine Ansammlung von schönen Momenten, wie eine Reihe von kostbaren Geschenken.
Doch was sind Wunder? Und wie erklärt man sie?
Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht.
Sie sind schwer zu beschreiben, weil es eben Wunder sind.
Aber ich freue mich über Momente in meinem Leben, in denen ich überrascht wurde - von Unmöglichem, von Unerwartetem, von Undenkbarem… das sind meine Wundermomente.
So sehr ich mich über jedes Wunder in meinem Leben freue, bin ich mir dennoch bewusst, dass so manches erwartete, erhoffte Wunder oft auch ausbleibt. Und vieler dieser Wundermomente auch mit Schmerz verbunden sind.
Oft geht dem Wunder erst die Wunde voraus.
Ich denke da an die Geschichte Das Wunder der Perle von Sören Kahl. Er erzählt die Geschichte der kleinen Muschel, die es nicht wahrhaben will, dass ihr fröhliches unbeschwertes Leben plötzlich so erschüttert wird. Ein Sandkorn hat sich in ihrem Bauch verfangen. Sie trägt nun etwas in sich, das sie nicht mehr loswerden kann, das ihr Schmerzen bereitet, ihr Angst macht. Die Unsicherheit und Verzweiflung machen sich breit, und sie fühlt sich den Umständen ausgeliefert. Umstände, die sie sich nicht ausgesucht hat. Der kleinen Muschel begegnet in der Geschichte eine alte, weise Auster, die sie mit ihrer liebevollen Art versucht zu trösten. Sie ermutigt sie auszuhalten, zu vertrauen und daran zu glauben, dass sie irgendwann über das, was ihr grade passiert, staunen wird. Das daraus ein Wunder entstehen wird. Und tatsächlich, irgendwann stellt die Muschel fest, dass in ihr eine wunderschöne, weiße Perle entstanden ist.
Ich finde mich in der Geschichte ein Stück wieder. Ich kenne diese Momente, in denen Unerwartetes passiert, Dinge, die Angst machen, die Traurigkeit, Schmerz, Unverständnis oder Zweifel auslösen.
Zeiten der Ungewissheit, der Fragen, des Aushaltens, Zeiten von Zweifel und Anklage.
Und trotzdem kenne ich auch die Momente, in denen ich mich entscheide, die Dinge so anzunehmen, wie sie gerade sind - trotz Unverständnis, Schmerz, Angst und Sorge.
Ich finde mich wieder in Zeiten, in denen ich mich bewusst entscheide, an Wunder zu glauben, Wunder zu proklamieren und für Wunder zu beten.
Und dann kenne ich die Momente, in denen ich das Wunder der Perle sehe oder das Wunder des Friedens über die bestehende Situation erlebe. Und frage mich, was ist wohl grade das größere Wunder?
„Ein Wunder ist nicht immer die Veränderung der Welt um uns, sondern die Veränderung in uns.“ Andreas Keiper
„Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht was ich dir Gutes getan habe.“ (Die Bibel, Psalm 103,2)
Das ist die Entscheidung, die ich immer wieder treffen möchte. Jeden Tag die Wunderbrille aufzusetzen, durch die ich das Wunder des Lebens, der Versorgung, der Freude und viele weitere Wunder des Alltags sehen und darüber staunen kann.
Ich glaube Wunder sind die Dinge, die Dankbarkeit im Herzen auslösen.
Und diese Wunder möchte ich wie Perlen in meinem Herzen bewahren.
Sei gesegnet
Maria
04.03.26