Das Insekten-Café
07.09.23
Ich stehe in der Küche vor der Spüle, die genau vor dem Fenster platziert ist. Vor mir ein Berg an schmutzigem Geschirr. Das Nebenprodukt eines leckeren Mittagessens und guten Gesprächen. Mein Blick geht wie immer durchs Fenster und hinaus in die Weite.
Ich sehe den Garten unserer Nachbarn, in dem eine Vielfalt an Gemüse und Obst wächst. Von Kartoffeln und Zucchini über große Apfelbäume bis hin zu vollen Beerensträuchern.
Ich überfliege diese wunderbare Schöpfung mit meinen Augen und mein Blick bleibt an meinem Lieblingsbusch in meinem eigenen Garten hängen. Direkt vor unserem Fenster wächst ein Lavendelstrauch. Eine Pflanze in wunderschöner lila Farbe, mit intensivem Duft und faszinierenden Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten. Sie ist zum Beispiel in kosmetischen Produkten, in Waschmitteln und Ölen zu finden, wird zu medizinischen Zwecken verwendet oder als Entspannungs-Tee getrunken.
Doch der Strauch zieht nicht allein durch die Farbe meine Aufmerksamkeit auf sich. Es wimmelt nur so von Insekten, vor Bienen und Schmetterlingen. Sie kommen einzeln, paarweise oder in kleinen Gruppen. Sie fliegen kurz von einer Blüte zur nächsten, verweilen einen Moment und fliegen gesättigt und zufrieden wieder davon, um Platz für die nächsten zu machen. Ich meine hier und da ein Lächeln auf den Gesichtern gesehen zu haben J Auf jeden Fall ist es faszinierend!
Wo kommen sie alle her? Und wie finden sie diesen Strauch? Der nächste Imker mit seinen Bienenstöcken wohnt ein Dorf weiter.
Ich beobachte dieses fröhliche Treiben und es erinnert mich an ein gut besuchtes und lebhaftes Café, in dem ich gemütlich mit lieben Menschen sitze und mein Lieblingsgetränk genieße. Ein Lächeln macht sich in meinem Gesicht breit. Ein Insekten-Café mit Selbstbedienung, jeder nehme, soviel er braucht. Wie wunderschön und faszinierend ist doch die Schöpfung.
Zurück zur eigentlichen Sache. Ich stehe vor der Spüle und sollte anfangen, mein schmutziges Geschirr abspülen. Meine Gedanken gehen weiter. Auch in meinem inneren Leben gibt es täglich „schmutziges Geschirr“ in Form von Unsicherheiten, Sorgen, Verletzungen, Schmerz, Ungerechtigkeit, Krankheit, Verlust...
Manchmal sind es nur ein paar kleine Teller, manchmal ein riesiger Berg, der mir Angst macht, und wo ich am liebsten nicht ran möchte.
Aber eins ist klar: wer es sauber haben und sich wohlfühlen will, muss Hand anlegen. Ignorieren, weggucken oder so tun, als ob nichts wäre, hilft dabei nicht. Es wird täglich mehr dazu kommen, irgendwann wird es stinken und mich völlig überfordern.
Mein Blick geht wieder aus dem Fenster, in die Weite, zur Schönheit der Schöpfung, und meine Gedanken gehen weiter zum Schöpfer.
„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt vom Herrn der Himmel und Erde gemacht hat.“
So steht es in einem der Psalmen in der Bibel. Ja zu demjenigen, der auch den Lavendelstrauch und die Insekten gemacht hat. Für den große Berge und kleine Insekten wichtig sind. Ich freue mich über dieses Bild und an was es mich erinnert:
- Ich darf mich beim Spülen am Insekten-Café des Schöpfers freuen.
- Ich darf das beste Café des Schöpfers besuchen und mich dort stärken – in seiner Gegenwart.
- Ich darf Hilfe in Anspruch nehmen.
- Ich darf meinen Blick immer wieder von mir oder dem schmutzigen Geschirr in meinem Leben abwenden und hinschauen zu den schönen, liebenswerten, ehrbaren und bewundernswerten Dingen – weg von meinen Problemen.
- Ich darf selbst, wie der Lavendelstrauch, einladend und ein Wohlgeruch für meine Umgebung sein.
Dieses Bild ist für mich sehr eindrucksvoll und beschäftigte mich ein paar Tage. In diesen Tagen besuchte mich meine Schwiegertochter kurz, die mit einem starken Infekt kämpfte und noch ziemlich müde war. Sie drückte mir ein Bild in die Hand mit den Worten: „Das habe ich für dich gemalt, ich hoffe, dass es dir eine kleine Freude macht.“
Und wie ich mich gefreut habe. J Sie hatte dieses Bild zwischen den Fieberschüben gemalt, um sich etwas abzulenken. Ich war so berührt. Sie wusste nichts von meinem Gedanken um den Lavendelstrauch und vom Bild des Insekten-Cafés.
Dennoch passte es so perfekt zusammen. Sie hatte es geschafft, den Blick auf etwas Schönes zu lenken, ihre Kraft und Energie für Kreativität genutzt und wurde mir dadurch zum einladenden „Wohlgeruch“. Ich habe mich über ein wunderschönes Bild gefreut und sie sich über die Freude des Schenkens. Gleich nach dem Zitat:
„Wer anderen eine Blume säht, blüht selbst auf.“
Die Geschichte des Kunstwerks geht noch weiter. Es ziert jetzt die Tasse, aus der ich einen leckeren Lavendeltee mit einem Löffel Honig genieße, während ich mich über die heilsamen Gedanken meines Schöpfers freue.
Maria