Du darfst aufblühen!

20.05.23

Du darfst aufblühen! Dieser Satz ging mir auf meiner gewohnten Spazierrunde durch den Kopf. Die Sonne hatte die dicke Wolkendecke durchbrochen und wärmte mein Gesicht. Doch den Schal zog ich dichter um meinen Hals und die Mütze etwas tiefer über die Ohren, denn der Wind war immer noch eisig und kalt. An einigen Stellen war der Boden noch frostig. Doch da entdeckte ich sie, die kleinen weißen Köpfe der Schneeglöckchen, die sich der Sonne entgegenstreckten.
Aufblühen – wie schön. Mitten in der Kälte, mitten im Nirgendwo, sie blühen auf.
Was für ein kraftvolles Bild, dachte ich mir. Die dünnen Stängel mit den weißen Blütenköpfen, so filigran, zerbrechlich, einzigartig. Was für ein Wunder der Schöpfung, dass diese zarten Blumen die kalte, harte Erde durchbrechen. Was bedeutet denn aufblühen?
Aufblühen – aufbrechen – durchbrechen – sich entfalten – Farbe annehmen. Ein paar Erklärungen, die ich bei Google gefunden habe.
Während mich dieses Thema die letzten Wochen bewegte, ist es Frühling geworden und nicht nur Schneeglöckchen haben es an die Erdoberfläche geschafft. Überall sieht man wunderschöne Blüten und Farben in den Gärten und Beeten. Die Bäume und Wiesen strahlen in einem saftigen Grün. Kirschblühten werden wie Frühlingsschnee sanft durch die Luft geweht.

Aufblühen – eine Kunst, die mich fasziniert. Jedes Jahr, immer wieder neu, wunderschön. Es geschieht unsichtbar, ganz leise, ein Prozess, der schwer in Worte zu fassen ist.
Auch ich möchte raus, durchbrechen, mich entfalten, Farbe annehmen, aufblühen. Doch trotz meines starken, inneren Wunsches, trotz meiner Begeisterung, stelle ich in meinem Alltag fest, dass aufblühen an manchen Tagen gar nicht so einfach ist. Erst recht nicht aus eigener Kraft. Manche Tage, Wochen oder auch Lebensphasen fühlen sich nicht warm, hell und leicht wie Frühling an. Sie sind schwer, kalt, dunkel und frostig.


An solchen Tagen würde ich mir am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und allein sein. Da sind Zweifel, Angst, Sorgen, Krankheit, Konflikte, falsche Erwartungen, oder einfach Kleinigkeiten, die mir die Freude zum Blühen nehmen können. Es ist, als würden dunkle Wolken die Sonne verdecken oder sich kalte Erdschichten um mein Herz legen.


Ich kenne den biologischen Prozess des Aufblühens nicht genau, aber bei Schneeglöckchen beispielsweise ist alles Wichtige in der Zwiebel gespeichert. Im Herzen der Blume.
Ich weiß, dass hier während des Winterschlafs unter der Erdoberfläche viele Prozesse stattfinden. Sie sind unsichtbar für das menschliche Auge und doch notwendig, sie setzen alles für die Bestimmung der Blume frei. Und dann blüht sie auf. Sie stellt keine Fragen danach, ob sie Blühen darf. Sie blüht, weil sie dafür geschaffen wurde. 

Sie blüht in Königlichen Gärten, in wunderschönen Parkanlagen, wo sie alle bewundern, aber sie blüht auch am Straßenrand, an zerfallenen Mauern, in einem einfachen bescheidenen Garten, zwischen Unkraut und Schutt. Sie blüht, ob sie gesehen wird oder nicht, und macht die Welt schön.


Dieses Bild ermutigt mich. Das Bewusstsein, dass Gott mein Herz kennt, dass er Leben und Farbe in mich hineingelegt hat und dass er mich blühen sehen möchte gibt mir Mut.

Ich darf ich mich trauen, zu vertrauen. Ich darf loslassen. Und in mein Herz hinein hören. 

Wofür schlägt mein Herz? Was hat Gott in mich hineingelegt? Wo darf ich aufblühen? 

Ich darf in die Ruhe kommen und mich auf den Schöpfer und Gärtner meines Lebens verlassen, angestoßene Prozesse nutzen. In seiner Gegenwart können sich meine Gedanken und Gefühle neu sortieren. Und zur rechten Zeit darf ich mich wieder kraftvoll der Sonne entgegenstrecken.

„Vor allem aber behüte dein Herz, denn dein Herz beeinflusst dein ganzes Leben“

 (Sprüche 4,27).


In jeder kleinsten Blume steckt das Potenzial Leben. In jedem Menschen erst recht. Jeder von uns hat Begabungen und Fähigkeiten in sich, die es unbedingt Wert sind, aufzublühen. An dem Ort, an dem du bist, in deiner aktuellen Lebensphase und in deinen Umständen. Lass dich ermutigen, begeistern und inspirieren von deinem Schöpfer. Wir dürfen wachsen und aufblühen.
Sei gesegnet.
Maria